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Auf Entdeckungstour …in unserem Seelsorgebereich - Tiefenstockheim

Tiefenstockheim
Datum:
Veröffentlicht: 13.3.23
Von:
Brigitte Wendinger
Nach Tiefenstockheim im Breitbachgrund führen nicht nur schöne Radwege, sondern auch die Kirche St. Peter und Paul ist ein lohnendes Ziel. Wenn ich das Kirchenschiff betrete, kann ich mir die Perspektive aussuchen – schaue ich auf die linke Seite fällt mein Blick auf die Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhunderte, schaue ich nach rechts, betrachte ich die Kanzel, die um 1700 entstand, auf der der Auferstandene steht. Für welche Perspektive entscheide ich mich? Nehme ich mit dem Blick auf die Kreuzigungsgruppe das Leiden der Welt oder Anliegen konkreter Menschen in Not in mein Gebet hinein oder brauche ich vielleicht selber Ermutigung und Zuspruch und lasse mich im Blick auf den Auferstandenen selber innerlich wieder aufrichten? Die Kreuzigungsgruppe ist darüber hinaus ausgezeichnet, dass die beiden Figuren links und rechts neben dem Gekreuzigten unterschiedliche Haltungen aufweisen. Maria ist sehr in sich gekehrt, bedächtig, die Hände hat sie gefaltet. Sie scheint mehr der Typ zu sein, der das Geschehene verinnerlicht und die Dinge mit „sich und ihrem Herrgott“ ausmacht. Johannes, der ihr gegenübersteht und wie sie auch den Blick auf den Gekreuzigten richtet, ist viel dynamischer. Seine Hände sind in Bewegung: eine ist zum Kreuz gerichtet, die andere weg vom Kreuz. Johannes hebt seinen Fuß an, so als ob er gleich losgehen würde. Ja, auch das ist eine Reaktion auf erlebtes Leid: anzupacken, wo es geht, Hilfe zu holen, wo es nötig ist, wegzuweisen, wo Unterstützung geholt werden kann. Die beiden Personen verkörpern für mich den aktiven und den kontemplativen Pol der Menschen. Beides ist wichtig und richtig, die Kombination von beidem ist vielleicht das Ideale. So lese ich in diese zwei, vielleicht willkürlich angebrachten Statuen(gruppen) ganz viel Existentielles: Leid und Auferstehung, aktiv und beschaulich – alles sind Ebenen des Lebens. Zu unterschiedlichen Zeiten braucht man unterschiedliche Haltungen. Ich werde mich an die Tiefenstockheimer Statuen erinnern, wenn mir einer der vier Pole abgeht und auf den rechten Blick nach links oder rechts zum rechten Zeitpunkt bitten. Dr. Andrea M. Friedrich

Nach Tiefenstockheim im Breitbachgrund führen nicht nur schöne Radwege, sondern auch die Kirche St. Peter und Paul ist ein lohnendes Ziel.

Wenn ich das Kirchenschiff betrete, kann ich mir die Perspektive aussuchen – schaue ich auf die linke Seite fällt mein Blick auf die Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhunderte, schaue ich nach rechts, betrachte ich die Kanzel, die um 1700 entstand, auf der der Auferstandene steht.

Für welche Perspektive entscheide ich mich?

Nehme ich mit dem Blick auf die Kreuzigungsgruppe das Leiden der Welt oder Anliegen konkreter Menschen in Not in mein Gebet hinein oder brauche ich vielleicht selber Ermutigung und Zuspruch und lasse mich im Blick auf den Auferstandenen selber innerlich wieder aufrichten?

Die Kreuzigungsgruppe ist darüber hinaus ausgezeichnet, dass die beiden Figuren links und rechts neben dem Gekreuzigten unterschiedliche Haltungen aufweisen.

Maria ist sehr in sich gekehrt, bedächtig, die Hände hat sie gefaltet. Sie scheint mehr der Typ zu sein, der das Geschehene verinnerlicht und die Dinge mit „sich und ihrem Herrgott“ ausmacht.

Johannes, der ihr gegenübersteht und wie sie auch den Blick auf den Gekreuzigten richtet, ist viel dynamischer. Seine Hände sind in Bewegung: eine ist zum Kreuz gerichtet, die andere weg vom Kreuz. Johannes hebt seinen Fuß an, so als ob er gleich losgehen würde. Ja, auch das ist eine Reaktion auf erlebtes Leid: anzupacken, wo es geht, Hilfe zu holen, wo es nötig ist, wegzuweisen, wo Unterstützung geholt werden kann. Die beiden Personen verkörpern für mich den aktiven und den kontemplativen Pol der Menschen. Beides ist wichtig und richtig, die Kombination von beidem ist vielleicht das Ideale.

So lese ich in diese zwei, vielleicht willkürlich angebrachten Statuen(gruppen) ganz viel Existentielles: Leid und Auferstehung, aktiv und beschaulich – alles sind Ebenen des Lebens. Zu unterschiedlichen Zeiten braucht man unterschiedliche Haltungen. Ich werde mich an die Tiefenstockheimer Statuen erinnern, wenn mir einer der vier Pole abgeht und auf den rechten Blick nach links oder rechts zum rechten Zeitpunkt bitten.

Dr. Andrea M. Friedrich