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Auf Entdeckungstour…in den Kirchen unseres Seelsorgebereiches

Klagemauer Aschbach
Datum:
Veröffentlicht: 4.3.22
Von:
Brigitte Wendinger

Die Klagemauer in der Aschbacher Kirche

Eigentlich sollte es ja nur ein kurzer Stopp in der Aschbacher Kirche werden, beim Pilgern auf dem Fränkischen Marienweg. Aber dann war es so einladend dort: das dämmernde Abendlicht, die wenigen brennenden Kerzen in der Kirche, die Meditationsmusik, die eingespielt wurde, und der Lichtschein, der aus der Seitennische kam, in der eine Marienstatue zu finden ist und daneben aufgerichtete durchlöcherte Steine, die an die Jerusalemer Klagemauer erinnern. Diese Nische zog die 30 Frauen unserer KDFB-Pilgergruppe an, einzeln traten sie hinein, manche hatte ihr Anliegen schriftlich formuliert und - dem Jerusalemer Beispiel folgend – dort abgelegt. Manch eine hatte Tränen in den Augen beim Herausgehen. Was war es in dieser Seitennische, das die Frauen einzeln so lange verweilen ließ? Die Klagemauer? Das Original wird von den Juden westliche Mauer genannt, da sie die Westmauer der Tempelanlage war. Sie ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen, bestehenden Bund Gottes mit seinem Volk dar. Täglich besuchen viele Menschen die Klagemauer, um diesen Bund durch den eigenen Dank und auch in anderen Situationen durch die Klage zu leben. Viele stecken auch aufgeschriebene Anliegen in die Ritzen und Spalten der Mauer – eine tiefe Symbolhandlung. Denn schon die Formulierung einer inneren Unruhe oder Kraftlosigkeit kann bereits entlasten. Und wenn das Aufgeschriebene dann gleichsam Gott übergeben und anvertraut wird, ereignet sich ein reinigendes inneres Loslassen. Die Marienstatue? Es ist etwas Besonderes, wenn wir uns in die Tradition der großen Mystikerinnen und Mystiker einreihen können und mit dem göttlichen „Du“ in Beziehung treten. Manchmal erscheint uns Gott als „der Ferne“ und Mittlerinnen und Mittler auf dem Weg zu Gott sind hilfreich für uns. Maria als Mutter und Schwester im Glauben ist hier vorrangig zu nennen. Vielleicht ist es aber auch die Kombination von Klagemauer und Marienstatue und damit die Kombination von zwei entscheidenden Elementen der jüdischen und der christlichen Frömmigkeitstradition. Symbole, Rituale und Symbolhandlungen in unserem Gebetsleben wie an der Klagemauer können das Beten erleichtern und sinnlicher machen. Der Blick auf große Gestalten des Glaubens, wie auf die Heiligen, kann uns helfen, der Nähe des scheinbar „fernen Gottes“ zu trauen. Vielleicht ist gerade in der österlichen Bußzeit das Entdecken eines neuen Ortes eine Bereicherung, an dem ich meine Gebete gut aufbewahrt erlebe. Sollten Sie tatsächlich die Aschbacher Kirche mit ihrer Klagemauer aufsuchen, nehmen Sie etwas Zeit mit. Diesen kleinen Seitenraum verlässt man nämlich nicht so schnell… Dr. Andrea M. Friedrich, Pastoralreferentin
Aschbach Kirche außen

Eigentlich sollte es ja nur ein kurzer Stopp in der Aschbacher Kirche werden, beim Pilgern auf dem Fränkischen Marienweg. Aber dann war es so einladend dort: das dämmernde Abendlicht, die wenigen brennenden Kerzen in der Kirche, die Meditationsmusik, die eingespielt wurde, und der Lichtschein, der aus der Seitennische kam, in der eine Marienstatue zu finden ist und daneben aufgerichtete durchlöcherte Steine, die an die Jerusalemer Klagemauer erinnern. Diese Nische zog die 30 Frauen unserer KDFB-Pilgergruppe an, einzeln traten sie hinein, manche hatte ihr Anliegen schriftlich formuliert und - dem Jerusalemer Beispiel folgend – dort abgelegt. Manch eine hatte Tränen in den Augen beim Herausgehen.

Was war es in dieser Seitennische, das die Frauen einzeln so lange verweilen ließ?

Die Klagemauer? Das Original wird von den Juden westliche Mauer genannt, da sie die Westmauer der Tempelanlage war. Sie ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen, bestehenden Bund Gottes mit seinem Volk dar. Täglich besuchen viele Menschen die Klagemauer, um diesen Bund durch den eigenen Dank und auch in anderen Situationen durch die Klage zu leben. Viele stecken auch aufgeschriebene Anliegen in die Ritzen und Spalten der Mauer – eine tiefe Symbolhandlung. Denn schon die Formulierung einer inneren Unruhe oder Kraftlosigkeit kann bereits entlasten. Und wenn das Aufgeschriebene dann gleichsam Gott übergeben und anvertraut wird, ereignet sich ein reinigendes inneres Loslassen.

Die Marienstatue? Es ist etwas Besonderes, wenn wir uns in die Tradition der großen Mystikerinnen und Mystiker einreihen können und mit dem göttlichen „Du“ in Beziehung treten. Manchmal erscheint uns Gott als „der Ferne“ und Mittlerinnen und Mittler auf dem Weg zu Gott sind hilfreich für uns. Maria als Mutter und Schwester im Glauben ist hier vorrangig zu nennen.

Vielleicht ist es aber auch die Kombination von Klagemauer und Marienstatue und damit die Kombination von zwei entscheidenden Elementen der jüdischen und der christlichen Frömmigkeitstradition. Symbole, Rituale und Symbolhandlungen in unserem Gebetsleben wie an der Klagemauer können das Beten erleichtern und sinnlicher machen. Der Blick auf große Gestalten des Glaubens, wie auf die Heiligen, kann uns helfen, der Nähe des scheinbar „fernen Gottes“ zu trauen.

Vielleicht ist gerade in der österlichen Bußzeit das Entdecken eines neuen Ortes eine Bereicherung, an dem ich meine Gebete gut aufbewahrt erlebe. Sollten Sie tatsächlich die Aschbacher Kirche mit ihrer Klagemauer aufsuchen, nehmen Sie etwas Zeit mit. Diesen kleinen Seitenraum verlässt man nämlich nicht so schnell…

Dr. Andrea M. Friedrich, Pastoralreferentin